Ein anstehender Hardware-Refresh ist für viele mittelständische Unternehmen der Moment, in dem eine grundsätzliche Frage auf dem Tisch liegt: noch einmal sechsstellig in eigene Server investieren – oder den Schritt in die Cloud gehen? Für einen mittelständischen Maschinenbauer aus der Region haben wir diese Entscheidung gemeinsam vorbereitet und anschließend eine schrittweise Cloud-Migration nach Microsoft 365 und Azure umgesetzt. Heute laufen ERP, Fileservices und Backup vollständig aus der Cloud – ohne dass an einem einzigen Produktionstag etwas stillstand.
Die Ausgangslage: alternde Hardware, steigende Wartungskosten
Der Bestand war über Jahre gewachsen: mehrere physische Server, eine in die Jahre gekommene Virtualisierungsumgebung und ein Fileserver, dessen Speicher chronisch knapp war. Die Wartung verschlang zunehmend Zeit und Geld, Ersatzteile für die ältesten Systeme waren kaum noch zu beschaffen, und der Support für das eingesetzte Server-Betriebssystem lief absehbar aus. Vor allem aber stand die Geschäftsführung vor einer unangenehmen Wahrheit: Eine neue On-Premises-Generation hätte die gleiche Investitionsspirale in drei bis fünf Jahren erneut ausgelöst.
Gleichzeitig war die Anforderung klar: Ein Maschinenbauer kann sich keinen Produktionsausfall leisten. Das ERP-System ist der Taktgeber für Fertigung, Einkauf und Versand. Jede Stunde Stillstand kostet bares Geld – eine „Big-Bang"-Umstellung über ein Wochenende kam nicht in Frage.
Warum nicht einfach neue Server?
In der gemeinsamen Cloud-Beratung haben wir keine Cloud um ihrer selbst willen empfohlen, sondern beide Wege offen gerechnet. Die Total Cost of Ownership einer neuen On-Premises-Landschaft umfasst weit mehr als die Anschaffung: Strom und Kühlung, Wartungsverträge, Backup-Hardware, die regelmäßige Re-Investition nach Lebenszyklus und nicht zuletzt die Arbeitszeit für Patchen, Monitoring und Ausfallbehebung. Gegenüber einem konsequent dimensionierten Azure-Setup mit Microsoft 365 ergab sich über einen Drei-Jahres-Horizont ein klarer Vorteil – und vor allem eine planbare, nutzungsabhängige Kostenstruktur statt großer Investitionssprünge.
Unser Vorgehen in vier Phasen
Statt eines riskanten Komplettumzugs haben wir die Microsoft-365-Migration und die Azure-Migration in vier klar abgegrenzte Phasen zerlegt – jede für sich rückrollbar, jede mit einem definierten Erfolgskriterium:
- Assessment und Zielarchitektur. Vollständige Inventur der Server, Anwendungen und Abhängigkeiten. Welche Workloads gehören nach Azure, welche Daten und Dienste nach Microsoft 365, was bleibt vorerst lokal? Auf dieser Basis entstand eine Zielarchitektur mit eindeutigen Verantwortlichkeiten.
- Microsoft 365 für die Zusammenarbeit. Migration von E-Mail, Dateiablage und Kollaboration nach Exchange Online, SharePoint und Teams – inklusive sauberer Berechtigungsstruktur und abgesicherter Anmeldung über Conditional Access.
- ERP und Fachanwendungen in Azure. Verlagerung der produktionskritischen Systeme in virtuelle Maschinen und Dienste in der Azure-Region Deutschland, mit dimensionierten Ressourcen und einem klaren Performance-Baseline-Test vor dem Umschalten.
- Backup, Monitoring und Cutover. Aufbau eines cloud-nativen Backups, Einrichtung des Monitorings und schrittweises Umschalten der Nutzergruppen – immer mit der alten Umgebung als Sicherheitsnetz im Hintergrund.
Null Stunden Downtime – kein Zufall, sondern Methode
Die 0 Stunden Produktionsausfall aus unseren Eckdaten sind das Ergebnis dieser Parallelität. Während der Migration liefen alte und neue Welt gleichzeitig. Daten wurden vorab synchronisiert, sodass beim eigentlichen Umschalten nur noch die letzten Änderungen nachgezogen werden mussten. Jede Phase hatte ein Zeitfenster außerhalb der kritischen Fertigungszeiten und einen dokumentierten Rückfallplan. So konnte das Unternehmen an jedem Werktag normal produzieren, während die IT im Hintergrund umzog.
Das Ergebnis: planbare Kosten und ein Betrieb ohne Hardware-Sorgen
Nach vier Migrationsphasen laufen ERP, Fileservices und Backup heute aus der Cloud. Der spürbarste Effekt für die Geschäftsführung: Die Betriebskosten sind über drei Jahre um rund 38 Prozent gesunken – und sie sind vor allem planbar geworden. Es gibt keinen großen Re-Investitionssprung mehr, keine Sorge um auslaufenden Hardware-Support und keine knappen Speicherplätze. Skaliert wird nach Bedarf, gewartet wird die Plattform durch Microsoft und uns gemeinsam im Rahmen der laufenden Managed-IT-Betreuung.
Das Backup ist dabei kein Nebenschauplatz: Auch in der Cloud gilt das Prinzip der getrennten, geprüften Sicherung – wie wir es grundsätzlich in unserem Backup- und Recovery-Konzept verankern.
Was dieses Projekt zeigt
Eine Cloud-Migration im Mittelstand scheitert selten an der Technik, sondern an einem zu großen ersten Schritt. Wer den Umzug in beherrschbare Phasen zerlegt, die alte Umgebung als Sicherheitsnetz behält und das Ziel von den Geschäftsanforderungen her denkt, kann auch produktionskritische Systeme ohne Ausfall verlagern. Planen Sie einen Hardware-Refresh oder fragen Sie sich, ob die Cloud für Sie rechnet? Wir rechnen beide Wege ehrlich durch – sprechen Sie uns über unser Kontaktformular an, oder sehen Sie sich weitere Referenzen an.